Das Politische Schneiden

Über die Ausstellung

Der Bauernkrieg vor 500 Jahren war die größte Volkserhebung vor der Französischen Revolution. Dessen Manifest, die im März 1525 in Memmingen verfassten Zwölf Artikel der Bauernschaft, sind nach der Magna Carta das erste schriftliche Dokument in der Geschichte Europas, dem Ideen von Menschen- und Freiheitsrechten zugrunde liegen.

HAP Grieshaber (1909 – 1981), der sich durch Herkommen und Anliegen mit der bäuerlichen Erhebung eng verbunden sah, verstand sich als homme engagé‘. Vor 50 Jahren war ihm daher das mangelnde Interesse in der Bundesrepublik am Bauernkriegsjubiläum ein Ärgernis, das mit dem „Bauernkriegsengel“ und der Mappe Dran dran, weil ir tag habt zur künstlerischen Tat wurde.

Bereits Anfang der 1960er-Jahre begann Grieshabers intensive Beschäftigung mit der Thematik. 1963 entstand das großformatige Holzschnitt-Diptychon Bauernkrieg, dessen Druckstöcke samt Holzschnitt der Schwarzplatte Grieshaber 1964 in die zehnteilige ,documenta-Wand‘ implementierte. Das Werk ging im Anschluss in Privatbesitz über. Die Ausstellung im Spendhaus bietet nun seit über sechzig Jahren die erste Gelegenheit, diese 240 cm hohen Bauernkriegs-Arbeiten außerhalb von Schloß Erkersreuth zu sehen. Erstmals werden sie mit Holzschnitten, Mappenwerken, Malbriefen, Plakaten und Maquetten in den Kontext von Grieshabers Auseinandersetzung mit der Bauernkriegsthematik gestellt.

Grieshabers Blick auf den Bauernkrieg ist kein Blick zurück. Es gilt, die immer noch nicht voll eingelösten Gerechtigkeits- und Gleichheitsforderungen der bäuerlichen Erhebung lebendig und aktuell zu halten. In der Ausstellung werden Grieshabers Arbeiten im zeitgenössischen Kontext von Bernhard Heisig, Alfred Hrdlicka, Käthe Kollwitz, Gérard Krimmel und Werner Tübke gezeigt.

Cutting The Political

About the exhibition

The Peasants’ War 500 years ago was the largest popular uprising before the French Revolution. Its manifesto, the Twelve Articles of the Peasantry, drafted in March 1525 in Memmingen, is, after the Magna Carta, the first written document in the history of Europe to be based on ideas of human and liberty rights.

HAP Grieshaber (1909–1981), who saw himself closely connected to the peasant uprising by upbringing and cause, understood himself as an ‘homme engagé’. Fifty years ago, the lack of interest in the Federal Republic in the Peasants’ War anniversary was therefore an annoyance to him, which, with the “Bauernkriegsengel” [Peasants’ War Angel] and the portfolio Dran dran, weil ir tag habt [It’s your turn because it’s your day], was turned into an artistic act.

Grieshaber’s view of the Peasants’ War is not a look back. It is a matter of keeping alive and current the still-not-fully-realized demands for justice and equality of the peasant uprising. In the exhibition, Grieshaber’s works are shown in the contemporary context of Bernhard Heisig, Alfred Hrdlicka, Käthe Kollwitz, Gérard Krimmel and Werner Tübke. In addition, parts of the large ‘documenta Wall’ are on public display in Reutlingen